Mikrokosmos Bahnhofskultur

An keinem Ort ist eine Metropole so heterogen wie um seine Bahnhöfe herum. Ein Plädoyer für einen Chancenraum.

Walter Benjamin sah im Anhalter Bahnhof in Berlin ein „Tor zur blauen Ferne“. Hier kommt man an, hier fährt man ab, oder fährt weiter. Benjamin schreibt in seiner „Berliner Kindheit“: „Keine Ferne war ferner, als wo im Nebel seine Gleise zusammenliefen. Doch auch die Nähe, die mich eben noch umfangen hatte, rückte ab.“

Für uns stellen die Bilder ein Plädoyer dar, den Bahnhof – und München steht hier stellvertretend für all diese seltsamen, sperrigen, aber vitalen Orte der Mobilität – als Chancenraum zu betrachten. Und zu akzeptieren: Hier zu planen, hier zu bauen, hier Stadt zu entwickeln ist schwierig, vielleicht auch mit Rückschlägen verbunden. Aber es lohnt sich. Für die Projektentwicklung – und für unseren urbanen Kosmos.

Wir baten das Fotografenduo Myrzik und Jarisch, für uns rund um den Münchner Hauptbahnhof auf Spurensuche zu gehen. Sie brachten ein Konvolut unterschiedlicher Impressionen mit: Farben, Gesichter, städtebauliche Seltsamkeiten, visuelle Gerüche. Ist das, was sie zeigen, „schön“? Nicht immer. Aber die Art, wie sie es zeigen, ist es.

Weitere Beiträge

Manfred Spitzer ist Neurologe – und einer der renommiertesten Kritiker unserer digital übersättigten Welt. Ein Gespräch über digitale Demenz und gelebte Balance.
Bahnhofsviertel befinden sich im Wandel. Doch wo liegen ihre Potenziale? Andreas Schulten hat mal genauer hingeschaut.
Die neu gegründete Kleinstadtakademie in Wittenberge soll Kommunen aufzeigen, wie kluge Politik und Stadtentwicklung Trends fördern können.
Die Stadt Zürich zeigt momentan, wie man Bahnhof und Stadt verzahnt – und wie das urbane Umfeld lernt, mit den Nebenwirkungen dieser Verzahnung umzugehen. Ein Report von Andreas Ruby.