Walter Benjamin sah im Anhalter Bahnhof in Berlin ein „Tor zur blauen Ferne“. Hier kommt man an, hier fährt man ab, oder fährt weiter. Benjamin schreibt in seiner „Berliner Kindheit“: „Keine Ferne war ferner, als wo im Nebel seine Gleise zusammenliefen. Doch auch die Nähe, die mich eben noch umfangen hatte, rückte ab.“
Für uns stellen die Bilder ein Plädoyer dar, den Bahnhof – und München steht hier stellvertretend für all diese seltsamen, sperrigen, aber vitalen Orte der Mobilität – als Chancenraum zu betrachten. Und zu akzeptieren: Hier zu planen, hier zu bauen, hier Stadt zu entwickeln ist schwierig, vielleicht auch mit Rückschlägen verbunden. Aber es lohnt sich. Für die Projektentwicklung – und für unseren urbanen Kosmos.
Wir baten das Fotografenduo Myrzik und Jarisch, für uns rund um den Münchner Hauptbahnhof auf Spurensuche zu gehen. Sie brachten ein Konvolut unterschiedlicher Impressionen mit: Farben, Gesichter, städtebauliche Seltsamkeiten, visuelle Gerüche. Ist das, was sie zeigen, „schön“? Nicht immer. Aber die Art, wie sie es zeigen, ist es.
450.000 Reisende und Besucher zählt der Münchner Bahnhof täglich. Damit liegt er in Deutschland an Nummer 2. Hamburg kommt sogar auf mehr als 500.000 Personen.
9,3 Millionen Touristen besuchen jedes Jahr München. Aber: Gerade in einer Stadt wie dieser gehörte der Bahnhof schon vor dem begonnenen Neubau nicht gerade zu den Inbegriffen urbaner Schönheit.
4,8–9,7 % – so hoch sind laut Andreas Schulten, dem Autor unserer Titelgeschichte, die Arbeitslosenquoten in deutschen Bahnhofsquartieren. Das scheint nicht übermäßig hoch. Dennoch ist sozialer Niedergang dort definitiv sichtbarer als anderswo.
52 % beträgt der Anteil migrantischer Bewohner um den Frankfurter Hauptbahnhof herum. Auf Platz 2 folgt Köln mit 47 %. Berlin auf Rang 3 mit 44 %.
An 16. Stelle kommt München in einem internationalen Ranking, was die Fahrradfreundlichkeit anbelangt. Platz 1 wird hier von Utrecht belegt. In der Stadt steht auch das weltweit größte Fahrradparkhaus mit 12.500 Plätzen.